Es gibt fünf Schutzmaßnahmen, die Wohnprojekten für ein sicheres und solidarisches Miteinander helfen können:
1. Einen sicheren Kommunikationskanal einrichten
Was? Erstellt eine verpflichtende, verschlüsselte Messenger-Gruppe (z.B. über Signal), die ausschließlich für sicherheitsrelevante Informationen und Alarme genutzt wird. Alle Bewohner*innen müssen Teil dieser Gruppe sein.
Warum? Im Ernstfall ist eine schnelle, zuverlässige und sichere Kommunikation entscheidend. So können alle gleichzeitig informiert und koordiniert werden, ohne dass sensible Informationen nach außen dringen oder in alltäglichen Chats untergehen.
2. Basis-Check für physische Sicherheit durchführen
Was? Macht einen gemeinsamen Rundgang in eurem Projekt und überprüft die zwei wichtigsten Schwachstellen:
- Türen & Fenster: Sind alle Zugänge (Haustür, Kellertüren, Fenster im Erdgeschoss) wirklich sicher und werden sie konsequent geschlossen gehalten?
- Beleuchtung: Funktionieren alle Lampen im Außenbereich, in Eingängen und Treppenhäusern?
Warum? Eine gute Ausleuchtung schreckt ab.
3. Eine einfache „Wenn-Dann“-Regel für den Ernstfall festlegen
Was? Vereinbart eine simple, für alle verständliche und leicht zu merkende Verhaltensregel für den Moment eines Vorfalls. Zum Beispiel:
Wenn du eine akute Bedrohung siehst (z.B. verdächtige Personen, Angriff), dann:
- Bring dich in Sicherheit (ins Haus gehen, Tür abschließen).
- Alarmiere die Gruppe über den sicheren Kanal mit einer kurzen, klaren Nachricht (Was? Wo?).
- Konfrontiere niemanden alleine.
Warum? Eine einfache, auswendig gelernte Regel reduziert Panik, verhindert gefährliche Alleingänge und stellt sicher, dass die Gemeinschaft sofort und koordiniert handlungsfähig ist.
4. Notfall-Kontaktliste mit solidarischem Netzwerk erstellen
Was? Stellt eine Liste mit den wichtigsten Telefonnummern zusammen und macht sie für alle digital und physisch zugänglich (z.B. als ausgedruckte Karte, in der Gruppeninfo des Messengers).
- Intern: Nummern von zwei bis drei vertrauenswürdigen Ansprechpartner*innen im Haus.
- Solidarisches Netzwerk: Nummern von mindestens drei Ansprechpersonen aus befreundeten Projekten, einem lokalen Bündnis oder der direkten Nachbarschaft, die im Notfall kontaktiert werden können.
- Extern: Polizei (110), Feuerwehr (112).
Warum? Im Stress vergisst man wichtige Nummern. Ein solidarisches Netzwerk kann schnell Unterstützung mobilisieren, Öffentlichkeit herstellen oder als Zeug*innen fungieren, bevor offizielle Stellen eintreffen.
5. Erstes gemeinsames Sicherheits-Treffen ansetzen
Was? Setzt einen festen, einstündigen Termin für alle Bewohner*innen an. Einziger Tagesordnungspunkt: „Unser gemeinsamer Schutz“.
Ziel des Treffens:
- Gemeinsam anerkennen, dass das Thema für alle relevant ist.
- Die Maßnahmen 1-4 beschließen und Verantwortlichkeiten für die Umsetzung festlegen.
- Einen Folgetermin für eine detailliertere Diskussion vereinbaren.
Warum? Dies ist der wichtigste Schritt. Er verwandelt individuelle Sorgen in kollektive Verantwortung und schafft die Grundlage für alle weiteren Maßnahmen. Es signalisiert nach innen und außen: Wir passen aufeinander auf.